Manipulierte Fahrkartenautomaten in Venedig

Manipulierte Fahrkartenautomaten in Venedig: Reisende sollten ihre Kartenumsätze prüfen

An mehreren Fahrkartenautomaten im Bahnhof Venezia Santa Lucia wurden illegale Lesegeräte entdeckt. Die sogenannten Skimmer waren in den Bereichen für kontaktlose Kartenzahlungen versteckt und sollten Zahlungsdaten abgreifen. Betroffen waren vier von insgesamt 27 Automaten. Zwei Männer wurden identifiziert und angezeigt. Die manipulierten Geräte sind inzwischen entfernt, alle Automaten sollen wieder regulär funktionieren.

Manipulationen an vier Fahrkartenautomaten

In den vergangenen Wochen wurden mehrere Fahrkartenautomaten im Bahnhof Venezia Santa Lucia manipuliert. Nach den bisher veröffentlichten Informationen waren vier der insgesamt 27 Selbstbedienungsautomaten betroffen.

Unbekannte hatten technische Geräte in die Leser für kontaktlose Zahlungen eingebaut. Diese sollten Daten von Kredit- und Debitkarten erfassen, die Reisende beim Kauf eines Zugtickets an das Lesefeld hielten.

Aufmerksam wurden die Verantwortlichen offenbar durch Hinweise von Kunden. An mehreren Automaten waren kleine, ungewöhnliche Öffnungen im Bereich des kontaktlosen Kartenlesers aufgefallen.

Die gemeldeten Unregelmäßigkeiten lösten eine gemeinsame Untersuchung der Bahnpolizei und der auf Cyberkriminalität spezialisierten Polizeieinheiten aus.

Versteckte Geräte im Inneren entdeckt

Die Polizia Ferroviaria überprüfte die betreffenden Automaten gemeinsam mit Fachleuten der Polizia Postale.

Bei der technischen Untersuchung fanden die Beamten im Inneren der Maschinen elektronische Vorrichtungen, mit denen Zahlungsdaten abgegriffen werden sollten. Die Geräte wurden beschlagnahmt und der Justizbehörde für weitere technisch-forensische Untersuchungen übergeben.

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand handelte es sich um sogenannte Skimmer. Solche Geräte können Zahlungsinformationen erfassen und für betrügerische Transaktionen oder die Herstellung manipulierter Karten genutzt werden.

Die italienische Polizei beschreibt einen Skimmer grundsätzlich als ein zusätzliches Lesegerät, das Kartendaten unbemerkt kopiert. Je nach verwendeter Technik versuchen Täter außerdem, PIN-Eingaben oder weitere Zahlungsinformationen zu erfassen.

Überwachungskameras führen zu zwei Verdächtigen

Die Ermittler werteten anschließend die Aufnahmen der Videoüberwachung im Bahnhof aus.

Dadurch konnten zwei Männer identifiziert werden, die für den Einbau der Geräte verantwortlich sein sollen. Bei den Beschuldigten handelt es sich nach den veröffentlichten Angaben um zwei rumänische Staatsbürger.

Die Ermittlungen ergaben, dass beide Ende Juni über den Flughafen Bologna nach Italien eingereist waren. Von dort wollten sie offenbar auch wieder ausreisen.

Die Polizei ermittelte die Unterkunft der Männer und fand sie dort einen Tag vor ihrer geplanten Abreise. Einsatzkräfte in Bologna hatten die Verdächtigen zuvor beobachtet und verfolgt, um einen Zugriff ohne Fluchtgefahr zu ermöglichen.

Mobiltelefone, SIM-Karten und Werkzeug sichergestellt

Bei der Durchsuchung des Zimmers stellten die Beamten verschiedene technische Gegenstände sicher.

Dazu gehörten nach den veröffentlichten Informationen:

  • Mobiltelefone,
  • SIM-Karten,
  • Stromversorgungen und Batterien,
  • Kabel für Strom- und Datenverbindungen,
  • verschiedene Werkzeuge,
  • weiteres Material zur Manipulation elektronischer Zahlungssysteme.

Die Gegenstände werden nun untersucht. Die Ermittler wollen unter anderem feststellen, welche Daten möglicherweise gespeichert oder übertragen wurden und ob die Geräte auch an anderen Orten zum Einsatz kamen.

Die beiden Männer wurden der Justizbehörde gemeldet. Sie befinden sich nicht in Untersuchungshaft und müssen mit einem möglichen Strafverfahren rechnen.

Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für beide die Unschuldsvermutung.

Wurden tatsächlich Karten von Reisenden kopiert?

Dazu gibt es bisher keine abschließende Antwort.

Die Geräte waren nach Darstellung der Ermittler dafür vorgesehen, Zahlungsdaten abzugreifen. Bislang wurde jedoch nicht öffentlich mitgeteilt, wie viele Reisende die betroffenen Automaten benutzt haben und ob die erfassten Daten bereits für betrügerische Zahlungen eingesetzt wurden.

Auch über konkrete finanzielle Schäden liegen derzeit keine bestätigten Angaben vor.

Die technisch-forensische Auswertung der beschlagnahmten Geräte soll klären, ob und in welchem Umfang Daten gespeichert wurden.

Reisende, die in den vergangenen Wochen an einem Automaten im Bahnhof Santa Lucia mit Karte bezahlt haben, müssen deshalb nicht automatisch von einem Missbrauch ausgehen. Eine Kontrolle der Kartenumsätze ist dennoch sinnvoll.

RFI spricht von einem begrenzten Vorfall

Nach den veröffentlichten Angaben bewertet Rete Ferroviaria Italiana den Vorfall als räumlich begrenzt.

Betroffen waren vier von 27 Fahrkartenautomaten im Bahnhof. Die Manipulationen wurden beseitigt und die Automaten wieder in Betrieb genommen.

Trenitalia warnte zudem die zuständigen Stellen an anderen Bahnhöfen, damit vergleichbare Manipulationen möglichst schnell erkannt werden können. Hinweise auf ähnliche Funde an weiteren Bahnhöfen wurden im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall zunächst nicht veröffentlicht.

Der Bahnhof Venezia Santa Lucia verfügt neben den Automaten auch über eine bediente Fahrkartenausgabe und eine Dienststelle der Bahnpolizei.

Was Reisende jetzt tun sollten

Wer in den vergangenen Wochen einen Fahrkartenautomaten in Venezia Santa Lucia mit einer Kredit-, Debit- oder Prepaidkarte genutzt hat, sollte die dazugehörigen Umsätze kontrollieren.

Besonders wichtig sind:

  • unbekannte Kleinbeträge,
  • Zahlungen bei unbekannten Händlern,
  • Abbuchungen aus anderen Ländern,
  • mehrere ähnlich hohe Transaktionen kurz hintereinander,
  • abgelehnte Zahlungsversuche, die man selbst nicht ausgelöst hat.

Viele Banken bieten Push-Nachrichten für jede Kartenzahlung an. Diese Funktion sollte aktiviert werden, weil verdächtige Transaktionen dann sofort auffallen.

Die Banca d’Italia empfiehlt, Kartenumsätze regelmäßig zu prüfen und bei unbekannten Zahlungen unverzüglich die kartenausgebende Bank zu verständigen. Die Karte kann anschließend gesperrt und bei Bedarf ersetzt werden.

Nicht jede verwendete Karte muss sofort gesperrt werden

Eine vorsorgliche Sperre jeder Karte, die irgendwann am Bahnhof verwendet wurde, ist ohne weitere Auffälligkeiten nicht zwingend erforderlich.

Wer jedoch sicher weiß, dass die Karte an einem der auffälligen Automaten eingesetzt wurde, oder ungewöhnliche Umsätze entdeckt, sollte sofort Kontakt mit der Bank aufnehmen. Das Kreditinstitut kann prüfen, ob verdächtige Autorisierungsversuche vorliegen und ob ein Austausch der Karte ratsam ist.

Die Sperrnummer befindet sich häufig in der Banking-App oder auf der Internetseite der Bank. Sie sollte niemals über einen Link in einer unerwarteten SMS oder E-Mail aufgerufen werden.

Betrüger nutzen öffentliche Meldungen über Kartendiebstahl häufig für nachfolgende Phishing-Versuche. Eine Bank verlangt niemals telefonisch oder per Nachricht die vollständige PIN, ein Passwort oder einen Freigabecode.

Was tun bei einer unbekannten Abbuchung?

Wer eine nicht selbst ausgelöste Zahlung entdeckt, sollte schnell handeln:

  1. Bank oder Kartenanbieter verständigen.
    Die Karte sollte gesperrt und die Transaktion als nicht autorisiert gemeldet werden.
  2. Umsätze und Benachrichtigungen sichern.
    Screenshots, Kontoauszüge und Zeitangaben können später wichtig sein.
  3. Anzeige erstatten.
    Eine Meldung ist bei der Polizia Postale, der Polizia di Stato oder den Carabinieri möglich.
  4. Rückerstattung beantragen.
    Nicht autorisierte Zahlungen können grundsätzlich gegenüber der Bank beanstandet werden. Die konkrete Prüfung hängt vom Einzelfall und vom Umgang mit den Sicherheitsdaten ab.

Die Banca d’Italia rät Opfern einer Zahlungsfraud ausdrücklich dazu, zuerst das Finanzinstitut zu informieren und anschließend den Vorfall bei den Sicherheitsbehörden anzuzeigen. Reagiert eine Bank auf eine Beschwerde nicht zufriedenstellend, können weitere Beschwerdewege genutzt werden.

So erkennt man einen möglicherweise manipulierten Automaten

Moderne Skimming-Vorrichtungen können sehr klein und schwer zu erkennen sein. Trotzdem sollten Reisende vor einer Kartenzahlung kurz auf den Zustand des Geräts achten.

Verdächtig können sein:

  • kleine Löcher oder Öffnungen, die nicht zur übrigen Oberfläche passen,
  • locker sitzende Teile,
  • zusätzliche Abdeckungen auf dem Kartenleser,
  • Klebstoffreste oder Beschädigungen,
  • ungewöhnlich hervorstehende Elemente,
  • ein Kartenleser, der anders aussieht als an den benachbarten Automaten.

Bei einem Verdacht sollte das Gerät nicht benutzt werden. Reisende können einen Mitarbeiter informieren oder sich an die Bahnpolizei wenden.

Es ist nicht sinnvoll, selbst an einem verdächtigen Teil zu ziehen oder es zu entfernen. Mögliche Beweismittel sollten unverändert bleiben.

Ticketkauf ohne Automaten möglich

Wer die Automaten nicht nutzen möchte, hat mehrere Alternativen.

Zugtickets können je nach Verbindung unter anderem gekauft werden:

  • über die offizielle Trenitalia-App,
  • über die Internetseite des jeweiligen Bahnunternehmens,
  • an der bedienten Fahrkartenausgabe,
  • bei autorisierten Verkaufsstellen,
  • bei manchen Regionalverbindungen über zugelassene kontaktlose Systeme.

Beim Onlinekauf sollten ausschließlich offizielle Apps oder bekannte Buchungsplattformen verwendet werden. Links aus unerwarteten Nachrichten oder QR-Codes an ungewöhnlichen Aufklebern können auf gefälschte Seiten führen.

Kein Grund, die Fahrkartenautomaten generell zu meiden

Der aktuelle Fall ist ernst, sollte aber nicht zu unnötiger Panik führen.

Die vier manipulierten Automaten wurden überprüft, die versteckten Geräte entfernt und die Maschinen wieder freigegeben. Nach Angaben der Bahn handelt es sich um einen isolierten Vorfall.

Es gibt derzeit keine Mitteilung, wonach sämtliche Fahrkartenautomaten in Venedig oder Italien unsicher wären.

Die Ermittlungen zeigen zugleich, dass Hinweise auf ungewöhnliche Veränderungen ernst genommen werden. Erst die Meldungen aufmerksamer Kunden führten zur technischen Kontrolle und zur Entdeckung der Skimmer.

Warum Bahnhöfe für Täter attraktiv sind

Große Bahnhöfe werden täglich von vielen Reisenden genutzt. Darunter befinden sich zahlreiche Urlauber, die unter Zeitdruck stehen, die Sprache nicht sprechen oder erstmals einen Fahrkartenautomaten bedienen.

Täter können darauf hoffen, dass kleine Veränderungen am Gerät nicht auffallen. Außerdem werden an stark frequentierten Standorten innerhalb kurzer Zeit viele Kartenzahlungen durchgeführt.

Venezia Santa Lucia ist der zentrale Bahnhof des historischen Venedigs. Hier kommen täglich Reisende aus Italien und dem Ausland an. Die Station verfügt über Fern-, Regional- und internationale Verbindungen sowie zahlreiche touristische Dienstleistungen.

Gerade deshalb sind regelmäßige Kontrollen der Zahlungssysteme und eine schnelle Reaktion auf Kundenhinweise wichtig.

Hinweise von Reisenden waren entscheidend

Der Fall zeigt, dass auch scheinbar kleine Auffälligkeiten gemeldet werden sollten.

Die Ermittlungen begannen, nachdem Kunden Unregelmäßigkeiten an den kontaktlosen Kartenlesern bemerkt hatten. Ohne diese Hinweise wären die eingebauten Geräte möglicherweise länger unentdeckt geblieben.

Wer an einem Automaten Beschädigungen oder technische Veränderungen feststellt, sollte:

  • keine Zahlung durchführen,
  • sich die Nummer oder Position des Automaten merken,
  • das Personal oder die Bahnpolizei informieren,
  • bei einer bereits erfolgten Zahlung die Bankumsätze beobachten.

Ein Foto des Automaten kann für die Meldung hilfreich sein. Das Gerät sollte dabei nicht berührt oder eigenständig untersucht werden.

Ermittlungen noch nicht abgeschlossen

Die beschlagnahmten Geräte und das Material aus dem Hotelzimmer werden weiterhin ausgewertet.

Noch zu klären ist insbesondere:

  • wie lange die Skimmer eingebaut waren,
  • wie viele Zahlungen betroffen sein könnten,
  • welche Kartendaten tatsächlich erfasst wurden,
  • ob die Informationen übertragen oder bereits genutzt wurden,
  • ob weitere Automaten manipuliert wurden,
  • ob die beiden Verdächtigen Teil eines größeren Netzwerks waren.

Solange diese Untersuchungen laufen, sollten voreilige Angaben über die Zahl der Opfer oder die Höhe eines möglichen Schadens vermieden werden.

Quellenhinweis

Grundlage dieses Artikels sind die am 4. August 2026 veröffentlichten Berichte über die Ermittlungen der Polizia Postale, des Centro Operativo per la Sicurezza Cibernetica Veneto und der Polizia Ferroviaria.

Eine eigenständige, öffentlich abrufbare Pressemitteilung der beteiligten Polizeidienststellen war zum Zeitpunkt unserer Recherche nicht auffindbar. Die Angaben zur Zahl der betroffenen Automaten, zu den beiden Beschuldigten und zu den sichergestellten Gegenständen beruhen daher auf den übereinstimmenden lokalen Medienberichten.

Die ergänzenden Hinweise zum sicheren Umgang mit Zahlungskarten und zu Maßnahmen bei unbekannten Abbuchungen stammen von der Banca d’Italia und der Polizia di Stato.

Stand: 5. August 2026

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